Tagfalterkurs in Leuk 2024

Die Anreise endet anstrengend, muss doch das Gepäck noch vom Bahnhof Leuk zum Schloss Hotel gebracht werden. Erst da erfahre ich, dass das Hotel auch einen Shuttel Service anbietet. Im Hotel warten bereits Walter und Heidi auf uns , wie ich bald erfahren werde, haben sie ihren 80igsten schon gefeiert!, und bald treffen auch Mirco und Dominik – unsere Tagfalter BDM Aspiranten ein.

Nachdem das Gepäck deponiert ist, geht es los Richtung Brentjong und Waldbrandfläche. Die Idee ist es, sich am ersten Tag mit den eher gewöhnlichen Arten vertraut zu machen. Der Plan geht nicht auf. Bereits beim Mittagessen an einem Tisch in den Rebbergen erwische ich einen Blasenstrauchbläuling! Wie es der Name suggeriert ist dieser stark gefährdete Bläuling auf den Blasenstrauch (Iolana iolas) angewiesen und kommt daher in der Schweiz fast ausschliesslich im Wallis vor. Es sollte nicht die einzige Walliser Spezialität bleiben. Auch der Zahnflügelbläuling (Polyommatus daphnis), ein Veränderliches Widderchen (Zygaena ephialtes), der Escher Bläuling (Polyommatus escheri), der Blauschwarze Eisvogel (Limenitis reducta) und der Brombeerperlmutterfalter (Brenthis daphne) zeigen sich bereits am ersten Tag. Alles Arten, die vor allem inneralpin, südlich oder sogar ausschliesslich im Wallis beobachtet werden können. Die Schmetterlinge fesseln uns so, dass wir den Bus zurück nach Leuk knapp verpassen. Zum Glück kennen die Walliser das Problem der seltenen Busse und das erste Auto nimmt uns gleich mit nach Leuk. Mit über 30 Arten wird Margareta, unsere Anfängerin, gleich mal ins kalte Wasser geworfen. Ihre systematische herangehensweise hilft ihr die Übersicht nicht zu verlieren.

Beim Nachtessen erfrägt Simone, was man denn am nächsten Tag alles erwarten könne. Mir entwischt, dass man theoretisch 4 Zipfelfalterarten sehen könnte. Das sollte ich bereuen. Denn am nächsten Tag lassen sich diese Zeit. Wir wandern von Varen nach Salgesch. Nach einem sehr heissen Aufstieg und Mittagessen haben wir schon einen Wespenbussard gesichtet aber noch keinen Zipfelfalter. Erst am Nachmittag erwischen die beiden BDM-Aspiranten einen abgeflogenen Braunen Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis) (wenn die beiden eine Tagfalterart nicht fangen, ist es beinahe ein Beweis dafür, dass sie aktuell nicht fliegt…). Später findet Simone irgendwo in einem Busch einen Blauen Eichenzipfelfalter (Favonius quercus). Zum Abschluss zeigt sich auch noch ein Kreuzdornzipfelfalter (Satyrium spini). Nur der Ulmenzipfelfalter (Satyrium w-album) bleibt bis am Schluss verschollen. Auf der Exkursion sehen wir insgesamt nicht sehr viele Falter, aber scheinbar jeder Falter ist eine neue Art!

Am Mittwoch ist es etwas kühler und ein kleines bisschen Niederschlag ist angesagt. Wir sind froh, denn die ersten beiden Tage waren sehr heiss. So gehen wir nach Mazembroz auf eine Ruderalfläche. Hier sind die Stars ein sich paarendes Krainisches Widderchen (Zygaena carniolica) und der Langfühlerige Schmetterlingshaft (Libelloides longicornis). Es wird dann doch wärmer als gedacht. Zum Glück hat es einen schattigen Picknickplatz. Nachdem wir die Tagfaltervielfalt ausgereizt haben, wenden wir uns auch noch den vielen Heuschrecken zu. Die Insektenvielfalt auf dieser kleinen Fläche ist schlicht erschlagend. Auf dem Nachhauseweg laufen die Motivierten bei Leuk noch entlang der Rotten. Ein Hirschkäfer und zum Abschluss noch ein Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) belohnen uns für die Anstrengung.

Am letzten schönen Tag machen wir noch einen Ausflug nach Ausserberg. Mein persönliches Highlight ist der Prächtige Bläuling (Polyommatus amandus). Während viele Bläulinge bestechend schöne Farben haben, ist dieser sehr grosse Bläuling meiner Meinung nach nochmals eine Liga für sich. Frisch geschlüpft präsentierte er sich in seiner vollen Pracht. Etwas, das man nur in Natura vollständig geniessen kann. Ein spezielles Erlebnis waren auch die sehr seltenen Leinkraut Scheckenfalter (Melitaea deione), die schon fast aufdringlich waren und Salz von unserer Haut rüsseln wollten. Schliesslich trafen wir auch noch auf einen Spanischen Bläuling (Kretania trappi), der sich wohl nicht ganz zufällig in der Nähe eines Stängellosen Tragants (Astragalus excapus) – seiner Raupenfutterpflanze – aufhielt.

Zum Abschluss wanderten wir noch von Erschmatt nach Leuk und machten uns bei regnerischem Wetter auf die Suche nach den Raupenfutterpflanzen. Insbesondere die Schmetterlingsblütler standen im Fokus, auf welche viele Bläulinge spezialisiert sind. Vogel-Wicke (Vicia cracca) für den Prächtigen Bläuling, Esparsetten-Tragant (Astragalus onobrychis) für den Zahnflügel-Bläuling, Hornklee (Lotus corniculatus) für verschiedene der kleinen Bläulinge treffen wir an. Aber auch andere spezielle Arten wie der Violette Würger (Orobanche purpurea) säumten den Weg. Abschnittweise macht es den Eindruck als hätte ein Walliser für Touristen einen Garten angelegt.

Eine eindrückliche Woche ging zu Ende. Mit knapp 80 Tagfalterarten und 7 Rot-Widderchen waren wir mehr als glücklich. Besser geht es fast nicht. Und auch eine heterogene Gruppe hat ihre Vorteile: die jungen fangen, die älteren profitieren mit. Die Erfahrenen erklären den Anfängern die Merkmale und festigen so gleich noch ihr eigenes Wissen. Es hat Spass gemacht!

Welcher Scheckenfalter könnte das sein?
Hier blieb zufälligerweise beim Fang eines Schmetterlings eine Gottesanbeterin im Netz hängen.
In Leuk hat es zwei Restaurants, die beide gerne walliser Käse in verschiedenen Formen zubereiten.
Ein Garten? Nein! Die Walliser Felsensteppe!
Wie es der Name sagt: der Stängellose Tragant macht die Blüte im Zentrum, gleich am Boden. Hier legt der Spanische Bläuling (Kretania trappi) seine Eier ab.
Dieser Leinkraut-Scheckenfalter (Melitaea deione) war Handzahm und blieb uns längere Zeit treu.
Welche Tagfalter-Art haben wir eigentlich wo gesehen? Welchen Lebensraum bevorzugt sie?
Das hier dürft der Gamander Würger sein (Orobanche teucrii) denn er wächst in seiner Wirtspflanze dem Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys). Stellenweise wimmelt es im Wallis von verschiedenen Würger-Arten.
Von dieser Szene entstanden vermutlich am meisten Fotos. Die Paarung von Krainischen Widderchen (Zygaena carniolica).
Ein Roter Scheckenfalter – diese sind im Wallis häufig!
Dieses Foto entstand an der Rotten bei Leuk. Ein männlicher Hirschkäfer zeigt stolz sein Geweih. In acht nehmen muss man sich jedoch vor den Weibchen, mit ihren viel kleineren Zangen haben sie viel mehr Kraft und können hart zubeissen.
Der Blasenstrauch ist eine wärmeliebende, auffällige Pflanze. Die Hülsenfrüchte sind so gross, dass sich darin geschützt die Raupen vom Blasenstrauchbläuling entwickeln können, welche nur die Bohnen fressen.
Auch ein Südlicher Kurzschwänziger Bläuling kann entzücken.